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62° Nord: Pfeiffers går Møre og Romsdal! Utskrift
Skrevet av Karsten Pfeiffer   
Wednesday 27. June 2007

Wer die Eisele-DVD "Møre og Romsdal" kennt, dem wird unser Urlaubsziel schon geläufig sein:

wie jedes Jahr weilten Tanja und ich wieder für drei Wochen unweit von Molde direkt vor dem Eingang zum Romsdalsfjord, genossen die hellen Mittsommernächte und testeten neue Angelprodukte für euch. Auch wenn das Wetter die ersten anderthalb Wochen über eher unfreundlich verhangen war und auch andere Faktoren alles andere als Erfolg versprechend waren, erlebten wir doch wieder viele spannende und abwechslungsreiche Situationen. Doch starten wir der Reihe nach.

Die Anreise

Da wir die Scandlines Nachtfähre von Rostock nach Trelleborg schon am Donnerstagabend gebucht hatten, haben wir bis zum Hausbezug am Samstag genügend Zeit für eine wunderschöne Exkursion durch Süd- und Mittelschweden im Reisegepäck. Unser Weg führt uns bei blauem Himmel und 23 Grad Wärme die E6 nach Norden bis Göteborg, von wo aus wir auf die 45 Richtung Torsby abbiegen. Entlang des Götakanals, hindurch durch Trollhättan und Vänersborg und mit ein paar Blicken auf den Vänernsee verlassen wir hinter Torsby die 45 und genießen eine ruhige Fahrt ohne jedweden Autoverkehr entlang des Flusses Klarälven.

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Dieser Fluss ist landschaftlich nicht nur traumhaft gelegen und beherbergt prächtige Äschen, Forellen und sogar saisonal die im Süßwasser des Vänern und Vättern lebenden landlocked Lachse - diese Gegend namens Norra Finnskoga kenne ich aus meiner Jugend bestens, fuhren mein Vater und ich zum Angeln doch seit 1981 oft in diese einsame wild-romantische Landschaft! Hunderte von Seen mit hervorragendem Hecht- und Barschbestand liegen unweit des Klarälven, und es gibt viele einfache Hütten direkt in der weitläufigen Natur zu mieten. Außer Adlergeschrei, Wolfsgeheul und Bibergeplatsche sowie unzählige Elchbesuche wird der Urlauber hier durch absolut nichts gestört.

Durch den Ort Sysslebäck mit seinem großen Winterskigebiet geht es weiter den Klarälven stromauf, Richtung Höljes. Wir blicken erstaunt auf eine bestimmte Laubbaumart, es müssten Erlen sein. Zu Tausenden sind ausschließlich diese Bäume vollkommen kahl genagt und mit weißen Weben komplett überzogen - irgendein Parasit hat im gesamten Flusstal gründliche Arbeit geleistet, die Bäume sind sämtlich abgestorben. Welch ein trauriger Anblick…

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Höljes ist ein verschlafenes Nest mit einem großen Landhandel, in dem es außer Benzin und Nahrungsmittel auch alle Dinge des täglichen Bedarfes bis hin zu Bekleidung gibt. Und wie schon vor 25 Jahren stehen auch dieses Jahr wieder die Weihnachtsartikel neben dem Osterschmuck!

 

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Hinter Höljes staut eine immens hohe Staumauer das Wasser des Grenzsees Höljesjön auf, welcher vom norwegischen Trysilälv gespeist wird. An diesem See erlebte Tanja anno 1991 ihren ersten Angelurlaub, bei dem sie schon am Anreisetag auf den zweiten Wurf ihren first-ever Hecht landen konnte. Gegenüber unserer alten Hütte parken wir, gönnen Paddy sein verdientes Bad nach der heißen Fahrt und fotografieren unseren idyllischen Urlaubsort von damals.

 

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Weiter geht´s, Richtung norwegischer Grenze. Im kleinen Grenzort Langflån steht mitten am Nachmittag ein großes Pferd auf der Straße. Ein Pferd mit Schaufeln auf dem Kopf??? Quatsch, da ist er schon, der erste Elch diesen Jahres- welchen ich Tanja eigentlich erst für nachts in Norwegen versprochen hatte, aber unverhofft kommt gerade bei Elchen allzu oft. Ich springe, mit Kamera bewaffnet, aus dem Auto, folge dem großen Braunen, welcher im Vorgarten eines Grundstückes genüsslich an ein paar Blumen knabbert und schieße ein paar Fotos.

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Der Grenzübergang, kein Mensch weit und breit zu sehen - unsere Ausweise und Paddys Impfpass bleiben unkontrolliert, wir sind in Norwegen! Weiter geht es über autoleere Straßen und einer Elchsichtung mehr nach Elverum, wo wir auf die E3 und damit das Glommatal einbiegen. Kilometerweit begleitet uns das Ufer der Glomma am Straßenrand, nirgends ist ein Angler zu sehen - die Äschen und Forellen des Flusses können hier absolut ungestört und ohne Hakeneinlage dinieren!

Gegen 22:00 Uhr erreichen wir das Dovrefjell, und der bislang klare Himmel zieht sich allmählich mit Wolken zu.

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Dombås wird passiert, und auf der RV 136 fallen erste Tropfen. Grau und in Wolken gehüllt empfängt uns das atemberaubende Raumatal mit einer gespenstischen Atmosphäre. Gegen 1:30 Uhr fahren wir dann bei Ann-Elisabeth und Jan in Isfjorden vor. Die Beiden hatten wir letztes Jahr auf Vannøya kennengelernt, und Jan ist trotz der fortgeschrittenen Stunde nicht von seinem Plan abzubringen, dass wir zusammen ein nächtliches Krabbenmahl bei Wein und Kaffee zelebrieren - tusen takk for maten, ihr Zwei, war DAS lekker!

Weiter geht´s den wolkenverhangenen Isfjord und Rødvenfjord entlang, mit Blick auf Uwe Onkens Camps und Ferienhäuser. Die Müdigkeit meldet sich dann am Fähranleger Åfarnes, wir müssen anderthalb Stunden bis zum Ablegen der ersten Fähre warten.

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Um 8:00 Uhr morgens stehen wir vor unserem Ziel, aber das Haus ist abgeschlossen. Also erst einmal frühstücken, dann das Auto ausgeladen und ab in den Supermarkt, Getränke und Lebensmittel einkaufen. Als ich vom Einkauf zurückkomme, hat Tanja den Schlüssel und ist schon am Einräumen. Der Urlaub kann beginnen!

Die Bedingungen

Dachten wir 2005, dass wir einen durchwachsenen Urlaub erwischt hätten, zeigt uns das diesjährige Wetter, dass es noch trister kommen kann. Anderthalb der drei Wochen haben wir tiefhängende dunkle Wolken, welche die Sicht auf die schneebedeckten Gipfel der umliegenden Berge versperren. Temperaturen zwischen 9 und 15 Grad werden von uns mit Shorts und T-Shirt abgewettert, aber die zahlreichen Schauer zwingen uns immer wieder in die Overalls oder Regenklamotten.

Wir staunen über die Farbe des Fjordwassers - spielen uns die Augen einen Streich oder wirkt der Fjord wirklich karibisch türkis? Freund Oddbjørn hat die Erklärung parat: es sind Blaualgen, welche sich dank des mit bis zu 18 Grad sehr warmen Fjordwassers und dem einmündenden Schmelzwassers dieses Jahr hervorragend vermehren können! Und ich grübelte schon immer darüber nach, wie es die Fotografen hinbekommen, solche Wasserfarben auf die Postkarten z.B. des Geirangerfjordes zu bannen! Trotz vieler Urlaube in Norwegen haben wir solch eine Wasserfarbe noch nirgends gesehen. Wenn das mal gut für die Fische ist…


Die Ausrüstung

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Jedes Jahr schwören wir uns, nicht mehr so viel an Ausrüstung mit in den Urlaub zu schleppen. Aber schon beim Zusammenbau des Gerätes merken wir, dass es mal wieder zu viel des Guten ist.

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Tanja hat erst einmal die ehrenvolle Aufgabe, ihre nagelneue Avet EXW 4/02 für das schwere Tiefseeangeln mit Dyneema zu bespulen. Nach 1000 Metern beendet sie das Unterfangen, welches dank des neuen Eisele-Bespulungsgerätes schnell und einfach vonstatten geht.

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Die Hauptausrüstung hier auf den Fjorden besteht für uns aus Ruten zwischen 2,40 und 2,70m Länge und einem Wurfgewicht von 50-300gr bzw. 16lbs, mittleren Multirollen wie der ABU Ambassadeur BG 7001 HS und 0,31mm Trilene Big Game Schnur. Ob zum Angeln auf Seelachs, Pollack und Dorsch mit dem Pro in 120gr, zum Plattfischangeln mit Naturköder oder zum Schleppfischen auf Lachs und Seelachs - diese Gerätekombo hat wirklich den größten Einsatzradius.

Die neue Eisele-Flugangel-Kombo durften wir ja im letzten Jahr schon testen, sie ist natürlich auch in diesem Jahr dabei! Neben der Schwimmschnur für den Straumen, den Bach und die Fjellseen haben wir eine Zweitrolle mit schnellsinkendem Schusskopf für die Angelei auf Pollacks und Seelachse dabei.

Zum Naturköderangeln variieren wir - für das leichte Naturköderangeln setzen wir 20lbs Ruten mit Multirollen wie der Penn Special Senator 113 und der Penn GTI 330 ein, für das schwere Naturköderangeln mit Bleien über 1000gr setzen wir dagegen böseres Gerät ein. Während ich mit meiner Penn Millenium Stand Up 30lbs und einer Avet EX 4/02 gut bedient bin, zieht es Tanja diesmal vor, mit ihrem 40-100lbs Penn International Tuna Stick und ihrer EXW 4/02 den Flossenträgern auf die Schuppen zu rücken.

Die Angelei

Wenn Du über vier Jahre für insgesamt 12 Urlaubswochen auf demselben Revier angelst, kennst Du alle Stellen vor Ort auswendig und glaubst, gewisse Regeln für das Vorhandensein und Beißverhalten der lokalen Fische aufstellen zu können. Wir merken jedoch schon in den ersten Tagen, dass keine Regel ohne Ausnahme und Irren menschlich ist…

Unsere irrigen Theorien für Møre og Romsdal:

- Mit wärmerem Wetter und wärmeren Fjordwasser kommen ab Mitte Juni die ersten Makrelen in die Fjorde, und mit ihnen die großen Seelachse
- Kühles, regnerisches Wetter schmälert die Fangergebnisse nicht
- Ostwind senkt die Fangchancen immens
- Die Beißaktivitäten sind im Fjord nicht gezeitenabhängig
- Jagende Möwen mitten auf dem Fjord zeigen zwar auch jagende Seelachse an, diese sind jedoch klein, es befinden sich keine größeren Fische unter den kleinen Jägern

Fakten 2006:

- vor unserer Ankunft gab es drei Wochen Wärme bis 30 Grad - die Oberflächen-Wassertemperatur können wir mit dem Echolot bis über 18 Grad messen -, aber es ist trotz des warmen Wassers nicht eine einzige Makrele im Fjord zu finden (und kein einziger großer Seelachs)
- bei Regen und tiefhängenden Wolken beißt teilweise stundenlang nicht ein Fisch, dagegen drillen wir bei stechendem Sonnenschein auf´s Feinste
- bei Ostwind fangen wir feine Pollacks und Dorsche
- die besten Fänge erwischen wir in der Zeit des auflaufenden Wassers - sobald die Ebbe einsetzt, passiert rein nichts mehr
- es ist in den drei Wochen nicht ein jagender Möwenschwarm auf der Fjordmitte auszumachen, welcher Jagsaktivitäten anzeigen würde.

Es ist eine beschwerliche Angelei wie noch nie. Jeden Tag fahren wir andere Stellen an, die sich in den letzten Jahren als Top Spots herausgestellt hatten. Sie sind leergefegt. Wir fischen mit extra mitgebrachten Heringen und Heringsfilets an herrlichsten Sand-/ Kiesplateaus - ohne einen einzigen Zupfer. Wir furchen die Pro Select Black Panther Pilker durch die Tiefen des Fjordes, keinerlei Echo-Signale oder  ein Schnapper…

Nach Tagen fahren wir eine altbekannte Untiefenstelle an, abfallend von 17 auf über 70 Meter. Das Echolot zeigt stapelweise kleine Seelachse an - und in einer Wassertiefe von nur 19 Metern steigen endlich die ersten guten Dorsche auf den 120gr Pro Select Black Panther ein!

 

 

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Tanja gelingt es sogar, auf blanken Black Panther einen feinen Leng zu überlisten.

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Nun klappt es also auch mit den Fängen! Einen Tag nehmen wir die Fliegenrute mit zum Plateau - dank des schnell sinkenden Schusskopfes kann Tanja den Streamer auf über 10 Metern Wassertiefe anbieten, was einigen halbstarken Seelachsen und Pollacks sichtlich gefällt!

                                 

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In der Nähe des Plateaus entdecken wir eine Kante, an der sich anscheinend alle Pollacks der Region zum Familientreff versammelt haben. Wir stören dieses Beisammensein nicht allzu sehr und setzen die meisten der teilweise bis 14pfündigen Exemplare behutsam wieder zurück.

                  

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Überhaupt nehmen wir pro Tag nur maximal zwei gute Fische über 65 cm zum Essen bzw. Einfrieren mit in den Hafen - welch ein Erholungswert für uns, im Gegensatz zu den benachbarten Touris, die sich des Abends stundenlange Filetier-Schlachten liefern. Trotz dieser geringen Entnahme werden wir zum Ende der drei Wochen runde 40kg feinste Filets beisammen haben, genug für uns und meine mitgereisten Eltern. Die seit 01.06.2006 geltende 15 Kilo Regelung für die Ausfuhr von gefangenem Fisch begrüßen wir deshalb im Hinblick auf die Filetmacher sehr - nur leider trifft dieses Gesetz einzig die Hausvermieter und Angelreiseveranstalter, denn es kommt derzeit zu Unmengen von Buchungsstornierungen…

Zurück zur Angelei: endlich finden wir auch ein paar gute Leng- und Lumbspots für die Naturköderangelei! Wir testen neue Systeme, z.B. das Sänger/ Aquantic "Norge 2" Oktopus-System, welches sich hervorragend über unreinem Grund fischen lässt und mir etliche Lengs und Lumbs beschert.

                   

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Oder das von mir entwickelte Eisele Heilbutt-System, was mir zwar mal wieder keinen einzigen Butt in dieser Region an den Haken lockt, dafür aber feine Lumbs bis 18 Pfund, die wir in Tiefen bis 270 Meter antreffen!

                   

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Erstaunlich ist wieder einmal, wie präzise die Circle Hooks (Kreishaken), welche ursprünglich für die Langleinenfischerei auf Heilbutt konzipiert wurden, den Fisch vorne im Maul haken und felsenfest sitzen. Wir tüfteln eine neue Anköderungsmethode aus, indem wir mittels einer langen Ködernadel den ganzen Hering dahingehend anködern, dass der Circle Hook aus dem Heringsmaul herausschaut und die Hakenspitze auf dem Kopf des Herings ruht.

 

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Dies hat zwei absolute Vorteile: zum einen kann sich der Haken nicht am Grund festsetzen, wie es sonst gerne passiert - zum anderen muss der beißende Fisch den Köder nun nicht mehr drehen, weil er den Köderfisch immer kopf voran schlucken will. Die Bisse kommen sofort, es gibt keine Aussteiger mehr!

Am letzten Tag fährt Tanja noch einmal auf eigene Faust raus - und kommt prompt mit diesen beiden Schönheiten zurück, beide auf  - na, was wohl? - natürlich auf Pro Select Black Panther 120gr gefangen. An der leichten Penn Prion Inliner Rute ist der Drill ein Genuss, sagt sie!

 

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Was uns mächtig schockiert - die beiden größten Seelachse des Urlaubes fängt Tanja mit jeweils knapp über 2 Kilo! Unser Lieblingsfisch meint es nicht gut mit uns dieses Jahr, und das an einer der besten Seelachsstellen Norwegens…

Erlebnisse

Seenotrettung mal anders:

Wir sind am Rand des Sundes und suchen gerade nach den dicken Dorschen, als Tanja sagt: "Da schwimmt was Merkwürdiges auf uns zu!" Wir identifizieren ein Rehkitz und etwas dahinter ein ausgewachsenes Reh, welche die rund 3 Kilometer quer über den Fjord geschwommen kommen.

                   

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Das Kitz schnauft schon vor Kraftlosigkeit, passiert unser Heck und schwimmt zielstrebig auf flachere Felsen zu. Beim Hochklettern rutscht Bambi an dem harten und glatten Fels immer wieder ab und fast in das Meer zurück. Wir überlegen, ob wir zu den Felsen fahren, verwerfen aber die Idee, damit das Kitz keinen menschlichen Geruch annimmt.

                   

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Derweil verliert Mama Reh das Kitz aus den Augen und schwimmt, ebenfalls entkräftet, in die falsche Richtung auf eine Steilwand zu, an welcher ein Herausklettern unmöglich ist. Wir schreiten zur Tat: vorsichtig manöveriere ich das Boot an die Felswand heran, Tanja liegt im Bug bereit. Rehmama schwimmt gerade in eine Felsspalte hinein, aus der sie ohne Hilfe nicht mehr herauskommen wird - sie verliert die Kräfte, ihr Kopf taucht unter Wasser. Tanja zieht den Kopf beherzt mit dem Bootshaken Richtung Bug und schlingt ihre beiden Arme um den Kopf des Rehs. Ich setze mit dem Boot langsamst zurück, und wir schleppen das Reh durch das Wasser  hin zu den flacheren Felsen, wo auch das Kitz angelandet ist. Ich klettere über Tanja hinweg, klammere mich mit einem Arm an die Felsen und übernehme das fürchterlich zitternde und ausgekühlte Fellbündel aus Tanjas Armen. Mama Reh lässt alles mit sich machen, sie hält vollkommen ruhig.

Ich hieve mich die recht steilen Felsen hoch bis zur Baumgrenze, die Gummistiefel festgekeilt in den Spalten, an einem Arm hochziehend, im anderen Arm das Reh. Plötzlich sehe ich 10 Meter vor mir das Kitz aufspringen und in das Dickicht verschwinden - mit ihm scheint alles in Ordnung zu sein, gottlob! Ich lege die Ricke behutsam auf Moos und Blaubeerbüsche und streichele sie noch ein paar Minuten, bis das Zittern allmählich nachlässt. Der Abstieg stellt sich als weitaus schwieriger dar als der Aufstieg. Wie glücklich bin ich über den Neukauf meiner Gummistiefel, die ich euch für solche Kletter- und Wanderpartien nur wärmstens ans Herz legen kann: Tretorn "Sarek Outlast" heißt das Wunderschuhwerk!

Tanja und ich fühlen uns nach dieser Rettungstat natürlich überglücklich - nicht auszudenken, wenn wir nicht zufällig in der Nähe gewesen wären. Unsere "Beute" wird denn dann auch abends bei einem Glas besten Malts gebührend gefeiert!

Raubtierfütterung:

Zwei Tage nach der Reh-Rettung (von unseren Meisterschwimmern ist nichts mehr zu sehen) dümpeln wir ohne nennenswerte Fänge unweit des Plateaus herum, als uns aufgeregte Vogelschreie den Blick nach oben richten lassen. Drei jüngere Seeadler werden von einer Horde aggressiver Möwen gejagt! Was die Adler nicht groß juckt, denn sie haben einen achteraus treibenden kleinen toten Seelachs erspäht, der uns kurz zuvor am Drilling hängen geblieben ist. Adler 1 und 2 legen ihre Schwingen an, fahren die Krallen aus und kommen herabgestürzt.

                   

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10 Meter neben uns schlägt Greif seine Klauen in den Kleinköhler und fliegt mit der Beute auf einen vertrockneten Baum, der ihm als Imbissbude dient. Wir schauen uns an, grinsen und lassen  unsere Pilker hinunter. Keine Minute vergeht, und schon haben wir zwei weitere Jungseelachse im Boot. Waidgerecht abgeschlagen bieten wir die Fische keine 10 Meter neben dem Boot an - und tatsächlich rauschen die Seeadler wieder heran und holen sich ihre frische Mahlzeit! Wie schön kann ein Angeltag ohne große Beute doch sein!

                   

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Knall auf Fall:

Endlich Sonnenwetter! Sonnenstrahlen bewirken bei Tanja unseefrauische Verhaltensweisen - sehr frühes Ablegen, minimale Konzentration aufs Angeln und knappste Bekleidung an Bord. Wozu auch das Ablegen der "zweiten Haut" Automatikschwimmweste gehört (sehr zum Ärgernis ihres Mannes). Anlegen von Schwimmweste ist nun mal in Norwegen Pflicht, und sie soll mit gutem Beispiel voran gehen - zumal einige wenige Boote uns querab passieren. Nun denn, wir dümpeln auf dem schon oft befischten Heilbutt-Plateau, als sich etwas am Sandgrund auf 44 Metern für Tanjas angebotenen Heringskebab interessiert. Die Spannung steigt, der Anhieb sitzt - und es gibt eine gute Flucht, die Rute verneigt sich! Ich krame die Spiegelreflex heraus und mache ein paar Fotos - bis ich im Augenwinkel etwas langsam von der hinteren Sitzbank rutschen sehe. Den Gedankengang zwischen rutschender Schwimmweste, restlichem Bilgenwasser und Achtungsschrei zu kombinieren, für das alles ist der Bruchteil einer Sekunde doch zu kurz. So bin  ich denn dann auch nur sprachlos vorbereitet, als es einen Knall gibt, Tanja vor Schreck aufspringt und fast ins Wasser fällt. Der Auslöse-Mechanismus ist punktgenau in die kleine Pfütze Bilgenwasser gefallen. Wie die aufgeblähte Weste korrekterweise ausschaut, seht ihr sehr anschaulich hier:

               

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Ich denke mal, künftig liegt die Weste nicht mehr herum.

Fazit

Mieses Wetter über fast zwei Wochen mit Kälte und Regenschauern sowie fürchterliche Angelbedingungen - ob uns das gestört hat? Nie und nimmer! Ein Urlaub in Norwegen ist für uns ein Geschenk, das wir rundum auskosten. Wir saßen oft und gemütlich mit unseren norwegischen Freunden beisammen, fanden Zeit, Frank Schätzings großes Werk "Der Schwarm" zu Ende zu lesen und genossen es, einfach nur Flora und Fauna zu beobachten. Leider gehen selbst drei Wochen Urlaub wie im Fluge vorüber, die Akklimatisierungsphase verlängert sich jedes Jahr erheblich. Aber ich kam dieses Jahr meiner Idee wieder ein Stückchen näher, irgendwann einmal mehr nicht nur als Tourist dort oben vorbeizuschauen, sondern hoffentlich irgendwann einmal von Norwegen aus zu starten und in Deutschland lediglich ein Tourist zu sein…

Mit einem Lächeln & ha det bra

Karsten

                   

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Sist oppdatert ( Friday 29. June 2007 )